Portfoliotheorie in der Realität: Warum „Diversifikation“ bei den meisten Tradern versagt
„Ich bin diversifiziert – ich halte AAPL, MSFT, GOOGL, AMZN und NVDA.“
Nein, bist du nicht. Du hältst 5 hoch korrelierte Tech-Aktien. Wenn QQQ 5 % fällt, fällst du 5 %. Alle davon. Gleichzeitig.
Das ist keine Diversifikation. Das ist Konzentration mit Zwischenschritten.
🚨 Klartext
Echte Diversifikation heißt nicht, viele Assets zu halten. Sie heißt, unkorrelierte Assets zu halten.
Korrelation zählt mehr als Anzahl. Und die meisten Trader prüfen sie nicht einmal.
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- Prüfe die Korrelation deines Portfolios — Jage deine 5 größten Positionen durch Portfolio Visualizer (kostenlos) und sieh nach, ob sie sich gemeinsam bewegen.
- Füge ein unkorreliertes Asset hinzu — Wenn alle Positionen Tech sind, nimm eine Position aus einem anderen Sektor dazu (Energie, Versorger, Anleihen).
- Berechne deine Sektorkonzentration — Liste deine Positionen nach Sektor. Liegt ein Sektor über 40 %, bist du konzentriert, nicht diversifiziert.
Laurens Korrelationslektion über 180.400 $
Aufbau: Lauren Mitchell (zusammengesetztes Beispiel), 450.000 $ Konto, Januar 2022. MBA, hielt sich mit 10 Aktien für diversifiziert: AAPL, MSFT, GOOGL, AMZN, NVDA, TSLA, META, NFLX, ADBE, CRM.
Das Problem: Alle 10 Aktien = Tech. Durchschnittliche Korrelation zu QQQ: 0,81 (HOCH). Fällt QQQ, fällt das gesamte Portfolio mit. Das ist keine Diversifikation – das ist Konzentration mit Zwischenschritten.
Der Tech-Crash 2022: Wenn Korrelation = 1
Was beim Tech-Crash geschah (Januar–Oktober 2022):
| Aktie | Wert Januar 2022 | Wert Oktober 2022 | Verlust | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| AAPL | $67,500 | $56,700 | -16% | Am wenigsten schlimm (defensive Tech) |
| MSFT | $67,500 | $46,600 | -31% | Unternehmenssoftware schlug werbefinanzierte Tech |
| GOOGL | $54,000 | $35,100 | -35% | Werbebudgets brachen ein |
| AMZN | $54,000 | $32,400 | -40% | Hohe Bewertung wurde bestraft |
| NVDA | $45,000 | $20,300 | -55% | Krypto-Crash + GPU-Schwemme |
| TSLA | $45,000 | $25,700 | -43% | Elon-Drama + Rezessionsangst |
| META | $45,000 | $12,600 | -72% | Metaverse-Desaster – die schlimmste der zehn |
| NFLX | $27,000 | $13,200 | -51% | Panik über Abonnentenverluste |
| ADBE | $22,500 | $12,800 | -43% | Softwarebudgets gekürzt |
| CRM | $22,500 | $14,200 | -37% | SaaS-Multiples brachen ein |
| PORTFOLIO GESAMT: | $269,600 | -$180,400 (-40%) | QQQ: -31 % (sie war SCHLECHTER) | |
Die schmerzhafte Erkenntnis (Oktober 2022):
„Ich habe in 10 Monaten 180.400 $ verloren. Ich hielt mich für diversifiziert – 10 Aktien! Aber ich habe 40 % verloren. QQQ verlor 31 %.
Meine ‚Diversifikation‘ hat mich nicht geschützt. Sie hat mich Geld gekostet. Ich lag 9 Punkte SCHLECHTER als der Index, den ich mit einem Klick hätte kaufen können – weil Gleichgewichtung genauso viel Geld in META steckt, das 72 % fiel, wie in AAPL, das 16 % fiel. Alle 10 waren im Schnitt mit 0,81 korreliert. Sie sind gemeinsam eingebrochen.
Ich hatte über die Moderne Portfoliotheorie gelesen. Ich hatte ‚Anzahl der Positionen‘ verstanden. Aber ich hatte KORRELATION nicht verstanden. Das ist der eigentliche Schlüssel.
Zeit, das Ganze richtig aufzubauen.“
— Lauren Mitchell, Tagebucheintrag vom 31. Oktober 2022
Akt 2: Echte Diversifikation lernen (November 2022–März 2023)
Laurens Ausbildung: Vier Monate mit Korrelationsmatrizen, Effizienzkurve, Risk Parity und unkorrelierten Assets verbracht
| Anlageklasse | Alt (2022) | Neu (2023) | Korrelation zu SPY | Zweck |
|---|---|---|---|---|
| US Large Cap (SPY) | 0% | 25% | 1.00 | Kernaktienengagement |
| Small Cap Value (IWN) | 0% | 15% | 0.72 | Niedrigere Korrelation, Value-Tilt |
| International (EFA) | 0% | 15% | 0.68 | Geografische Diversifikation |
| Staatsanleihen (TLT) | 0% | 20% | -0.30 | NEGATIVE Korrelation! Sicherheit |
| Gold (GLD) | 0% | 10% | 0.08 | NAHEZU NULL Korrelation! Inflationsschutz |
| Rohstoffe (DBC) | 0% | 8% | 0.22 | Niedrige Korrelation, Diversifikator |
| REITs (VNQ) | 0% | 7% | 0.58 | Immobilienengagement |
| Einzelne Tech-Aktien | 100% | 0% | 0,81 Ø | Gestrichen (ersetzt durch SPY) |
| PORTFOLIO-KENNZAHLEN: | 10 Aktien | 7 Anlageklassen | Ø: 0,43 | -47 % Korrelationsrückgang! |
Laurens wichtigste Änderungen:
- Einzelaktien gestrichen: Ersetzt durch SPY (sofortige Streuung über 500 Unternehmen)
- Negativ korrelierte Assets ergänzt: TLT (Anleihen) mit -0,30 langfristiger Korrelation → steigt normalerweise, wenn Aktien crashen
- Nahezu unkorrelierte Assets ergänzt: GLD (0,08), DBC (0,22) → bewegen sich unabhängig von Aktien
- Geografische Streuung: EFA (international) bei 0,68 → niedrigere Korrelation als US-Tech
- Streuung über Anlageklassen: 7 verschiedene Anlageklassen statt vorher 1 (Tech)
- Portfoliokorrelation: 0,81 Ø → 0,43 Ø = -47 % weniger korreliertes Risiko
Akt 3: Denselben Crash durch die neue Allokation laufen lassen
Der ehrliche Test: Lauren wollte keine Geschichte über ein gutes Jahr. Sie wollte wissen, was die neue Allokation in dem Jahr gemacht hätte, das sie gebrochen hat. Also ließ sie sie über genau das Fenster laufen, das sie durchlebt hatte: Januar bis Oktober 2022.
| Baustein | Gewicht | Jan.–Okt. 2022 | Beitrag | Was tatsächlich passiert ist |
|---|---|---|---|---|
| US Large Cap (SPY) | 25% | -19% | -4,75 Pkt. | Der Index, den ihre 10 Aktien ohnehin nachbildeten |
| Small Cap Value (IWN) | 15% | -14% | -2,10 Pkt. | Value fiel weit weniger als Growth |
| International (EFA) | 15% | -25% | -3,75 Pkt. | Ein anziehender Dollar machte die Auslandsverluste schlimmer |
| Staatsanleihen (TLT) | 20% | -36% | -7,20 Pkt. | Die Absicherung, die versagt hat. Schlechtestes Anleihejahr der Geschichte. |
| Gold (GLD) | 10% | -9% | -0,90 Pkt. | Keine Rally, aber kaum Bewegung. Das genügte. |
| Rohstoffe (DBC) | 8% | +18% | +1,44 Pkt. | Der einzige Baustein, der Geld verdient hat |
| REITs (VNQ) | 7% | -25% | -1,75 Pkt. | Steigende Zinsen bepreisten Immobilien neu |
| DIVERSIFIZIERT GESAMT: | 100% | -19.0% | -$85,500 | 450.000 $ → 364.500 $ statt 269.600 $ |
🚨 Lies die TLT-Zeile noch einmal
Ihre Absicherung mit „negativer Korrelation“ verlor 36 % in demselben Jahr, in dem Aktien 30 % verloren. 2022 fielen Aktien und Anleihen gemeinsam, weil eine einzige Kraft – der schnellste Zinserhöhungszyklus seit vierzig Jahren – beide trieb.
Korrelation ist keine Konstante. Sie ist eine Messung der Vergangenheit. Dass das Portfolio den Verlust trotzdem halbiert hat, liegt nicht daran, dass irgendeine Absicherung funktioniert hätte. Es liegt daran, dass sieben Bausteine, die von verschiedenen Dingen getrieben werden, nicht alle gleichzeitig gebrochen sind.
Der Vergleich, auf den es ankommt:
| Kennzahl | Alt (10 Tech-Aktien) | Neu (7 Anlageklassen) | Differenz |
|---|---|---|---|
| Verlust | -$180,400 (-40.1%) | -$85,500 (-19.0%) | 94.900 $ behalten |
| vs. QQQ (-31 %) | 9 Punkte schlechter | 12 Punkte besser | 21 Punkte Unterschied |
| Schlechteste Einzelposition | META -72 % | TLT -36 % | Halb so viel Einzeltitelschaden |
| Positionen, die Geld verdient haben | 0 von 10 | 1 von 7 (DBC +18 %) | Irgendetwas hat funktioniert |
| Durchschnittliche Korrelation | 0.81 | 0.43 | Eine Wette vs. sieben Wetten |
| Nötige Rendite bis zurück auf null | +67% | +23% | Jahre Unterschied |
🚨 Die andere Hälfte der Wahrheit
2023 und 2024 waren ein Tech-Melt-up. Über diese zwei Jahre hätte das Zehn-Aktien-Depot, das Lauren aufgegeben hat, ihr diversifiziertes Portfolio deutlich geschlagen – nicht knapp.
Diversifikation ist keine Renditestrategie. Sie ist eine Überlebensstrategie. Du bezahlst dafür in konzentrierten Bullenmärkten und wirst in Crashs dafür bezahlt. Wer sie dir als „mehr Rendite UND weniger Risiko“ verkauft, verkauft dir etwas.
Laurens Erkenntnis (Oktober 2024):
„Zwei Jahre später kann ich das Ehrliche sagen: Hätte ich die zehn Tech-Aktien durch 2023 und 2024 gehalten, hätte ich heute mehr Geld als jetzt. Das ist einfach so.
Aber im Oktober 2022 lag ich 40 % im Minus und habe ernsthaft überlegt, das Konto zu schließen. Bei -19 % wäre ich genervt gewesen, nicht gebrochen. Das ist das ganze Argument. Diversifikation hat mich nicht reicher gemacht. Sie hat dafür gesorgt, dass es mich noch gibt.
Und der Teil, den mir niemand gesagt hat: Meine Anleiheabsicherung verlor 36 % in demselben Jahr, in dem Aktien 30 % verloren. Die Absicherung hat versagt und meinen Verlust TROTZDEM halbiert – weil sieben verschiedene Dinge nicht alle aus demselben Grund am selben Tag brechen.
Nicht ‚Anzahl der Positionen‘ – KORRELATION. Zehn Tech-Aktien mit 0,81 Korrelation sind eine gehebelte Wette auf QQQ. Sieben Anlageklassen mit 0,43 Durchschnittskorrelation sind ein Portfolio.“
— Lauren Mitchell, Oktober 2024
Zusammenfassung des gesamten Weges:
Du hast zwei Drittel des Lehrplans hinter dir. Du kennst die zentralen Strategien.
Starker Fortschritt! Mach bei Bedarf eine kurze Dehnpause, dann steigen wir in die fortgeschrittenen Konzepte ein.
- Was sie tat (Jan.–Okt. 2022): -180.400 $ (-40,1 %) mit 10 Tech-Aktien bei 0,81 Ø Korrelation
- Was die diversifizierte Allokation getan hätte: -85.500 $ (-19,0 %) mit 7 Anlageklassen bei 0,43 Ø Korrelation
- Unterschied über dieselben 10 Monate: 94.900 $ Kapital behalten
- Nötige Erholung: +67 % bis zur Null gegenüber +23 % – der wahre Preis eines tiefen drawdown
- Die Absicherung hat trotzdem versagt: TLT -36 % im Jahr 2022, und das Portfolio verlor trotzdem weniger als halb so viel
- Der Preis für diesen Schutz: ein reines Tech-Depot schlug das diversifizierte über 2023–2024, und zwar deutlich
- Zentrale Lehre: Diversifikation kauft dir einen überlebbaren Weg, keine größere Zahl
In dieser Lektion lernst du:
- Warum Korrelation der Schlüssel zu echter Diversifikation ist
- Wie du die Effizienzkurve baust (maximale Rendite pro Risikoeinheit)
- Risk Parity: Warum gleiche Dollarbeträge falsch sind
- Wie Profis Portfolios tatsächlich konstruieren
Der klassische Fehler
Du öffnest dein Portfolio. Du siehst 10 Positionen. Du fühlst dich diversifiziert.
Der Markt fällt 3 %. Dein Portfolio? 2,9 % im Minus.
Was ist mit der Diversifikation passiert?
Die Illusion
Portfolio:
- AAPL (Tech)
- MSFT (Tech)
- GOOGL (Tech)
- NVDA (Tech)
- TSLA (Tech)
- AMD (Tech)
- META (Tech)
- NFLX (Tech)
- SHOP (E-Commerce)
- PYPL (Fintech)
Korrelation zu QQQ: 0,85–0,95 (hoch korreliert)
„Ich halte 10 Aktien!“ Schön. Sie bewegen sich alle gemeinsam.
Echte Diversifikation
Portfolio:
- 40 % SPY (US-Aktien, Korrelation: 1,0 zu sich selbst)
- 30 % TLT (Anleihen, Korrelation: -0,30 zu SPY)
- 15 % GLD (Gold, Korrelation: 0,08 zu SPY)
- 15 % DBC (Rohstoffe, Korrelation: 0,22 zu SPY)
Ergebnis: Das Portfolio-Beta zu SPY liegt bei etwa 0,38, ein Rückgang von 5 % bei SPY ist also grob ein Rückgang von 2 % im Portfolio
4 Assets. Tatsächlich diversifiziert. Niedrige Korrelation = echter Schutz.
💡 der Aha-Moment
Die Anzahl der Assets zählt nicht. Die Korrelation zählt.
10 korrelierte Assets = 1 Wette. 4 unkorrelierte Assets = 4 Wetten. Wähle klug.
Korrelation verstehen
Korrelationskoeffizient (-1,0 bis +1,0):
+1,0 = Perfekt positiv (bewegen sich exakt gemeinsam)
+0,7 = Stark positiv (bewegen sich meist gemeinsam)
+0,3 = Schwach positiv (bewegen sich manchmal gemeinsam)
0,0 = Unkorreliert (unabhängige Bewegung)
-0,3 = Schwach negativ (bewegen sich oft gegenläufig)
-1,0 = Perfekt negativ (perfekte Absicherung)
Diversifikationsnutzen:
Korrelation < 0,5 = Gut
Korrelation < 0,0 = Ausgezeichnet (negative Korrelation = Absicherung)
Die Kernerkenntnis: Zaubermathematik
Hier ist etwas, das unmöglich klingt:
Zwei riskante Assets zu kombinieren kann ein Portfolio erzeugen, das WENIGER riskant ist als jedes der beiden allein.
Moment, was?
Die Mathematik (einfache Version)
Asset A: 20 % Rendite, 25 % Volatilität
Asset B: 15 % Rendite, 20 % Volatilität
Korrelation: 0,3 (niedrig)
50/50-Portfolio:
Erwartete Rendite: (20 % + 15 %) / 2 = 17,5 %
Erwartete Volatilität: NICHT 22,5 %!
Tatsächliche Volatilität: ~18 % (NIEDRIGER als beide!)
Warum: Verluste in A werden manchmal durch Gewinne in B ausgeglichen
Ergebnis: Höhere Rendite pro Risikoeinheit
Das ist das einzige „Gratis-Mittagessen“ in der Finanzwelt. Nutze es.
Praxisbeispiel: Aktien + Anleihen
Risikofreier Zins: 4 %
100 % SPY:
Rendite: 12 % Ø
Volatilität: 18 %
Sharpe: (12 - 4) / 18 = 0,44
100 % TLT (Anleihen):
Rendite: 6 % Ø
Volatilität: 12 %
Sharpe: (6 - 4) / 12 = 0,17
60/40 SPY/TLT:
Rendite: 9,6 % (gewichteter Ø)
Volatilität: 10,4 % (WENIGER als TLT allein!)
Sharpe: (9,6 - 4) / 10,4 = 0,54 (BESSER als beide!)
Zauber: -0,30 Korrelation = Diversifikationsnutzen
60/40 ist risikoadjustiert überlegen. Deshalb nutzen Institutionelle es.
Die Effizienzkurve
Frage: Wie viel Rendite kann ich bei einem gegebenen Risikoniveau maximal erreichen?
Antwort: Die Effizienzkurve.
🎯 Was ist die Effizienzkurve?
Es ist die Menge der Portfolios, die Folgendes bieten:
- Maximale Rendite für ein gegebenes Risikoniveau
- Minimales Risiko für ein gegebenes Renditeniveau
Portfolios AUF der Kurve = optimal. Portfolios DARUNTER = suboptimal (lassen sich verbessern, ohne Risiko hinzuzufügen).
Beispiel einer Effizienzkurve:
Risiko (Volatilität) → Rendite
10 % 5 % (wenig Risiko, wenig Rendite)
15 % 9 % (mittleres Risiko, mittlere Rendite)
20 % 12 % (mittleres Risiko, gute Rendite)
25 % 14 % (höheres Risiko, höhere Rendite)
30 % 15 % (hohes Risiko, abnehmender Ertrag)
Dein Ziel: Wähle einen Punkt auf der Kurve nach deiner Risikotoleranz
Das optimale Portfolio finden (maximale Sharpe Ratio)
Das beste Portfolio auf der Kurve? Das mit der höchsten Sharpe Ratio (Rendite pro Risikoeinheit).
Sharpe Ratio = (Portfoliorendite - risikofreier Zins) / Volatilität
Beispiel (risikofreier Zins: 4 %):
Portfolio A: 12 % Rendite, 18 % Volatilität → (12-4)/18 = 0,44
Portfolio B: 14 % Rendite, 25 % Volatilität → (14-4)/25 = 0,40
Portfolio C: 10 % Rendite, 12 % Volatilität → (10-4)/12 = 0,50
Sieger: Portfolio C (beste risikoadjustierte Rendite)
Warum 60/40 kaputt ist
Das klassische 60/40-Portfolio (60 % Aktien, 40 % Anleihen) hat ein schmutziges Geheimnis:
Mehr als 80 % des Risikos kommen aus den 60 % in Aktien.
Ich zeige es dir:
60/40-Portfolio:
60 % SPY (Volatilität: 18 %)
40 % TLT (Volatilität: 12 %)
Risiko läuft über die Varianz, also die gewichteten Vola quadrieren:
SPY: (0,60 × 18 %)^2 = 10,8^2 = 116,6
TLT: (0,40 × 12 %)^2 = 4,8^2 = 23,0
gesamt = 139,6
Risikoanteil:
SPY: 116,6 / 139,6 = 84 %
TLT: 23,0 / 139,6 = 16 %
Ergebnis: Das Portfolio hängt zu ~84 % am Aktienrisiko
Risikoseitig nicht diversifiziert!
Denk über Risk Parity nach.
Risk Parity: Gleiches Risiko, nicht gleiche Dollar
Gleiche Dollarallokation
Allokation:
- 60 % Aktien (hohe Volatilität)
- 40 % Anleihen (niedrige Volatilität)
Risikobeitrag:
- Aktien: 84 % des Portfoliorisikos
- Anleihen: 16 % des Portfoliorisikos
Problem: Das Portfolio wird vom Aktienrisiko dominiert. Crashen die Aktien, crasht du.
Gleiche Risikoallokation
Allokation:
- 40 % Aktien – Gewicht (1/18) / (1/18 + 1/12)
- 60 % Anleihen – Gewicht (1/12) / (1/18 + 1/12)
Risikobeitrag:
- Aktien: 50 % des Portfoliorisikos
- Anleihen: 50 % des Portfoliorisikos
Ergebnis: 40 % × 18 % = 7,2 und 60 % × 12 % = 7,2. Gleiches Risiko von beiden Seiten. Crashen die Aktien? Das Portfolio wird von der größeren Anleihequote abgefedert.
🚨 Der Zielkonflikt
Risk Parity = niedrigere erwartete Renditen (mehr Anleihen = weniger Wachstum).
Lösung? Manche Fonds nutzen Hebel, um die Rendite zu steigern und das Risiko trotzdem ausgewogen zu halten. (Nichts für Einsteiger.)
Das Kelly-Kriterium (wie viel allokieren?)
Du hast einen Edge. Deine Janus-Strategie gewinnt in 65 % der Fälle bei durchschnittlich 2,5R.
Frage: Wie viel deines Kapitals solltest du ihr zuteilen?
Antwort: Kelly-Kriterium.
Kelly % = (Trefferquote × Ø Gewinn - Verlustquote × Ø Verlust) / Ø Gewinn
Beispiel:
Trefferquote: 65 %
Ø Gewinn: 2,5R
Verlustquote: 35 %
Ø Verlust: 1R
Kelly = (0,65 × 2,5 - 0,35 × 1) / 2,5
= (1,625 - 0,35) / 2,5
= 1,275 / 2,5
= 0,51 = 51 %
Deutung: Allokiere 51 % des Kapitals in diese Strategie
Aber hier ist der Haken:
🚨 Volles Kelly ist aggressiv
Volles Kelly maximiert das langfristige Wachstum, hat aber wilde Schwankungen.
Das professionelle Vorgehen: Nutze 1/4 Kelly bis 1/2 Kelly für eine glattere Equity-Kurve.
Beispiel: 51 % volles Kelly → nutze 13–25 % Allokation (sicherer).
Multi-Strategie-Portfolio
Echte Profis fahren nicht eine Strategie. Sie fahren ein Portfolio unkorrelierter Strategien.
Beispiel für ein Strategieportfolio
Strategie A (Janus Sweeps):
Trefferquote: 65 %, Ø R: 2,5R
Volles Kelly 51 % -> 13 % allokieren (1/4 Kelly)
Regime: Funktioniert in Trendmärkten
Strategie B (Mean Reversion):
Trefferquote: 58 %, Ø R: 2,0R
Volles Kelly 37 % -> 9 % allokieren (1/4 Kelly)
Regime: Funktioniert in Seitwärtsmärkten
Strategie C (Breakouts):
Trefferquote: 52 %, Ø R: 3,0R
Volles Kelly 36 % -> 9 % allokieren (1/4 Kelly)
Regime: Funktioniert in volatilen Expansionen
Gesamtallokation: 31 % (Rest als Cash-Puffer)
Ergebnis:
- Verschiedene Regime = eine Strategie arbeitet immer
- Unkorrelierte Strategien = glattere Equity-Kurve
- Cash-Puffer = Flexibilität bei drawdowns
🎓 Die wichtigsten Erkenntnisse
- Korrelation zählt mehr als die Anzahl der Assets – prüfe sie, bevor du von Diversifikation sprichst
- Effizienzkurve = maximale Rendite für gegebenes Risiko (optimiere deine Allokation)
- Risk Parity = gleicher Risikobeitrag, nicht gleiche Dollar (ausgewogener als 60/40)
- Kelly-Kriterium = optimale Größe für Wachstum (nutze 1/4 bis 1/2 Kelly zur Sicherheit)
- Multi-Strategie-Portfolios = unkorrelierte Edges = glattere Renditen
📝 Praxisübung
Optimiere deine Portfolioallokation mit Korrelationsanalyse
- Berechne die Korrelationsmatrix deiner Positionen
- Liste alle Assets in deinem Portfolio (Aktien, ETFs, Krypto)
- Nutze kostenlose Tools: Portfolio Visualizer, Yahoo Finance oder Python pandas
- Berechne den 1-Jahres-Korrelationskoeffizienten für jedes Paar
- Identifiziere Cluster mit hoher Korrelation
- Markiere alle Paare mit Korrelation > 0,70 (hoch korreliert)
- Beispiel: Wenn du AAPL, MSFT und GOOGL hältst, alle mit 0,85+ Korrelation zu QQQ, bist du in Tech konzentriert
- Schichte um für echte Diversifikation
- Beispielziel: Korrelation < 0,50 zwischen den großen Allokationen
- Erwäge zu ergänzen: Anleihen (TLT), Gold (GLD), Rohstoffe (DBC), International (EFA)
- Berechne erwartete Rendite und Volatilität des neuen Portfolios
- Wende das Kelly-Kriterium für die Positionsgrößen an
- Für jede Strategie: Erfasse Trefferquote, Ø R und Kelly %
- Nutze 1/4 Kelly für konservative Größen
- Beispiel: 60 % Trefferquote, 2,5R Ø Gewinn, 1R Verlust = 44 % volles Kelly = 11 % Allokation (1/4 Kelly)
Ziel: Baue ein wirklich diversifiziertes Portfolio mit gering korrelierten Assets und optimaler Positionsgröße auf Basis deines Edge.
🎮 Teste dein Verständnis (ganz entspannt)
Frage 1: Du hältst 10 Tech-Aktien. Ihre durchschnittliche Korrelation zu QQQ liegt bei 0,90. Bist du diversifiziert?
Frage 2: Deine Strategie hat 60 % Trefferquote, 2R Ø Gewinn, 1R Ø Verlust. Wie hoch ist die volle Kelly-Allokation?
Wenn du bis hierher gekommen bist, verstehst du, dass Portfoliokonstruktion Mathematik ist, nicht Raten. Korrelation, Sharpe Ratios, Kelly-Kriterium – das sind keine akademischen Übungen. Das sind Werkzeuge, die Profis täglich nutzen.
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